Vorreiter 60 Minutes: Erstes Nachrichtenmagazin in HD

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Die Einführung des HD-Formats war wie eine tickende Zeitbombe. Sämtliche Fernsehsender arbeiteten gegen die Zeit, sahen sich gezwungen, ihre Workflows vollkommen neu zu bewerten und effiziente, kosteneffektive Möglichkeiten für die Integration des HD-Formats in ihre Produktionen und die Postproduktion zu finden. Da bildete auch das beinahe schon ehrwürdige 60 Minutes – die am längsten ausgestrahlte Prime-Time-Sendung in der Geschichte des US-amerikanischen Fernsehens – keine Ausnahme. In der Saison 2008/2009 setzte das CBS-Nachrichtenmagazin erstmals auf dateibasierte HD-Verfahren. Nicht nur, um nicht mehr auf Zeit raubende, umständliche Bandüberspielungen angewiesen zu sein, sondern auch, um seine Reportagen künftig sowohl optisch als auch akustisch in noch besserer Qualität präsentieren zu können: in HD und 5.1-Surround.

Um den Anforderungen der neuen Zeit gerecht zu werden, entschied man sich für eine umfassend integrierte, digitale HD-Broadcast-Lösung von Avid und Digidesign (einem Avid-Tochterunternehmen), deren Komponenten für Audio- und Videobearbeitung und netzwerkgestützten Medienzugriff perfekt ineinandergreifen. Von da an profitierte jeder, Kameraleute, Editoren und Re-recording-Mixer, von den HD-Tools und hocheffizienten Workflows, die dem 60 Minutes-Team mehr Gelegenheit für die Produktion hochwertiger Inhalte lassen, da sie den technischen Aspekten der Postproduktion nicht mehr so viel Zeit widmen müssen – ein großer Fortschritt in Anbetracht der stets sehr engen Terminpläne.

Überzeugende Inhalte auf den Punkt gebracht

Für ein preisgekröntes Nachrichtenmagazin, das auf seine präzise Berichterstattung stolz ist, sind der klare HD-Sound und die hochaufgelösten Bilder weitere Merkmale zur Unterstreichung der detaillierten, tatsachenorientierten Reportagen, für die das Format bekannt ist. Beim Dreh arbeiten die Crews sowohl bei den Außenaufnahmen als auch im Studio in der Regel in 30p, mit Sony XDCAM- und Sony HDC-1500L-Kameras. Anschließend geht das HD-Material in die Redaktion, wo die jeweils 12-minütigen Nachrichtenbeiträge, die Anmoderation der Korrespondenten und das Editorial von Andy Rooney, die zu jeder Sendung gehören, geschnitten werden.

 
 Von da an profitierte jeder, Kameraleute, Editoren und Re-recording-Mixer, von den HD-Tools.
 

Da sich die Schnittplätze für Bild und Ton an zwei verschiedenen Orten befinden  in Control Room 33 im CBS Broadcast Center und gegenüber in den Produktions- und Redaktionsbüros von 60 Minutes  haben alle Ton- und Bild-Editoren Zugriff auf ein Avid Unity ISIS-Zentralspeichersystem mit 50 Terabyte Speicherkapazität, das als Zentrale für den digitalen Datentransfer zwischen den verschiedenen Bereichen (Ingest, Editing, Farbkorrektur, Tonmischung und Playout) dient.

In New York arbeiten fünfzehn Offline-Editoren mit dem Avid DNxHD 145 Codec und schneiden und bearbeiten den HD-Content des Magazins auf ihren via ISIS verbundenen Avid Media Composer Nitris DX-Systemen. Da das DNxHD-Format nur eine geringe Bandbreite erfordert, kann die Produktions-Crew Medien und fertiges Programmmaterial aus den Avid-Systemen in echter HD-Qualität schnell und direkt austauschen, was den zeitlichen Aufwand und das für HD-Produktionen benötigte Budget deutlich reduziert.

Die Offline-Bild-Editoren tauschen ihr Material während der einzelnen Schnittphasen auch mit dem Re-recording-Mixer aus, der parallel am Ton für die Beiträge arbeitet – mit Pro Tools|HD und einer 24-Fader ICON D-Command-Mischkonsole. In der Regel gibt es zu jedem Bericht bis zu 10 Audio-Tracks, Kommentare, Dialoge der Korrespondenten und Gäste und verschiedene Stereosignale der Kameras. Die fertigen Mix-Stems werden anschließend via ISIS-System an den für die Endmontage und das Finishing der Takes zuständigen Toningenieur gesendet.

Bild und Ton für Dokumentationen


Entscheidende Fortschritte in Bezug auf die Komplexität der Soundtracks brachte in diesem Jahr ein weiteres Upgrade der digitalen Audio-Systeme, die zwecks schnellen, direkten Dateiaustauschs ebenfalls an das ISIS-System angeschlossen sind. Noch im vergangenen Jahr produzierte Re-recording-Mixer Roy Halee, Jr. in mono und nutzte für Aufzeichnung und Ausgabe des gesamten Audiomaterials sogar noch Bandmedien. Nun verfügt er über Systeme, mit denen er die Mini-Dokumentar-Soundtracks für die einzelnen Reportagen in 5.1-Surround liefern kann. Zusätzlich lassen ihm die digitalen Workflows mehr Zeit für die kreativen Aspekte seiner Tätigkeit. Ein Beispiel für die neuen Möglichkeiten ist das erst kürzlich ausgestrahlte Profil des Football-Trainers der University of Southern California (USC), Pete Carroll, das unter anderem Aufnahmen der 125 Mitglieder starken USC Marching Band und eines ganzen Stadions voller jubelnder Fans beinhaltete – alles in 5.1.

 
 Der klare HD-Sound und die hochaufgelösten Bilder unterstreichen die detaillierten, tatsachenorientierten Reportagen, für die das Format bekannt ist
 

Seine Arbeit an einer Reportage beginnt Halee in der Regel mit dem Import einer digitalen AAF-Datei, die er von den Offline-Bild-Editoren via ISIS-Server erhält. Dies ist die Grundlage für seine Pro Tools-Session. Aus Zeitgründen verwendet er für Editing und Mix ein fertiges 5.1-Template (erstellt von Digidesigns Produktspezialisten Robert Miller), das die Basis-Automation bereits enthält. Und da er eine ICON-Konsole einsetzt, steht ihm die gesamte Funktionsvielfalt der Pro Tools-Workstation im Direktzugriff zur Verfügung. Bei der Bearbeitung des Audiomaterials für die einzelnen Beiträge verlässt sich Halee gerne auf intuituiv bedienbare Plug-Ins, wie X-Noise zur Unterdrückung von Umgebungsgeräuschen oder Down Compression/Expansion für Kommentare zwischen zwei Musikpassagen.

Während der Nachbearbeitung hat Halee über seine Media Composer-Satellite-Workstation jederzeit vollen Zugriff auf die Arbeitsversionen der Bild-Cutter, da das Bildmaterial via ISIS-Netzwerk allen Beteiligten virtuell zur Verfügung steht. Dieses Echtzeit-HD-Videoreferenzsignal ist mit seiner Pro Tools-Session perfekt synchronisiert, so dass er jede Sequenz, jeden Schnitt und jeden Fade sofort nach Fertigstellung sehen kann und sich die bisherige, Zeit raubende Vorbereitung und Übertragung des Bildmaterials auf Band erübrigt. Auf diese Weise sind selbst Änderungen in letzter Minute, zum Beispiel an den Sprechersequenzen, sofort allen zugänglich und können entsprechend schnell nachbearbeitet werden. Anschließend erfolgt der Mixdown der endgültigen Versionen auf sieben Kanäle und die Rückübertragung auf den ISIS-Server (als AAF-Dateien). Von dort werden sie auf elektronischem Weg an das Online-Team gesendet.

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Die fertigen Beiträge und Tonmischungen gehen an zwei Online-Editoren und einen Toningenieur in Control Room 33, die für Montage, Compositing und Finishing des einstündigen Nachrichtenmagazins mit Media Composer Nitris DX-Systemen und einer Pro Tools-Workstation ausgestattet sind. Auch in dieser Phase wird das ISIS-Zentralspeichersystem vom gesamten Online-Team sehr häufig für Änderungen in letzter Minute genutzt, während das Bild- und Tonmaterial – oft sogar gleichzeitig – bereits zum Coloristen, zum Online-Mixer und in die Regie unterwegs ist, um das Master für die Ausgabe in den verschiedenen HD-, SD-, Web- und Mobilfunk-Formaten vorzubereiten.

Das Finishing, für das der leitende Post-Production-Editor M. Scott Cole und sein Team verantwortlich zeichnen, erfolgt auf Basis der vom Offline-Team zur Verfügung gestellten Avid DNxHD 145-formatierten Medien. Das komprimierte HD-Format ermöglicht die Bearbeitung selbst feinster technischer und Effektdetails, beispielsweise der selektiven Defocus-Effekte, mit denen die Gesichter mancher Menschen unkenntlich gemacht werden. Zugleich beginnt Mixer Mike Ruschak die Stems zu mischen, die er von Halee als Pro Tools-Sessions erhalten hat, was die Einarbeitung letzter Änderungen an den Kommentaren oder dem übrigen Audiomaterial enorm vereinfacht. Auch für die Aufnahme der Anmoderationen sowie die Mischung der Andrew Rooney-Parts, der Teaser zu Beginn der Sendung und anderer Elemente mit den AAF-Dateien von den Offline-Editoren setzt Ruschak ein Pro Tools-System ein.

Umfassende Integration, detaillierte Reportagen


Während des gesamten Offline- und Online-Prozesses dient das Avid Unity ISIS-Zentralspeichersystem nicht nur als Speichermedium mit gemeinsamem Netzwerkzugriff für die diversen Avid-Workstations, sondern ermöglicht sogar die Einbindung von Produkten anderer Hersteller, so dass sich Projekte und Medien systemübergreifend nutzen lassen. Auf diese Weise kann das 60 Minutes-Team Komponenten verschiedener Anbieter zu einer einzigen, einheitlichen digitalen Arbeitsumgebung kombinieren – mit den besten Werkzeugen und besten Resultaten.

Control Room 33 stellt 14 EVS-Server-Kanäle (sechs Kanäle für Studioaufzeichnungen und acht für die Wiedergabe) auf drei XT2-Servern bereit, wobei die Daten im nativen Avid DNxHD 145-Format für Echtzeit-Editing und Studio-Playback per Streaming direkt über das Avid Unity ISIS-System verteilt werden. Ähnlich erfolgt der Import und Export von Avid DNxHD-Dateien in das und aus dem Digital Vision Nucoda-Farbkorrektursystem, das via ISIS mit den Media Composer Nitris DX Editing-Workstations verbunden ist. Dieser Echtzeit-Dateiaustausch erweist sich insbesondere während der zeitkritischen Finishing-Phase als ausgesprochen nützlich, wenn im letzten Augenblick eintreffende Nachrichten oft noch die Überarbeitung einer kompletten Sendung erfordern.

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So beeindruckend eine derart umfassend integrierte, digitale Sendeumgebung auch ist, bleibt sie doch nur Mittel zum Zweck. Im Mittelpunkt jeder Sendung steht weiterhin die preisgekrönte Berichterstattung, für die man 60 Minutes seit Jahren kennt. Dank der neuen HD-Workflows besitzt das erfolgreiche Nachrichtenformat nun allerdings ein weiteres, außerordentlich leistungsstarkes Werkzeug – und die Möglichkeit, seinen Zuschauern die spannenden Reportagen und Details nun in noch besserer optischer und akustischer Qualität zu präsentieren.