Die Macher von 30 Rock haben nicht nur die Lacher auf ihrer Seite, sondern auch den kompletten Avid-Workflow

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Für treue Fans der erfolgreichen Sitcom 30 Rock steht eines ganz fest: Sie müssen aufmerksam sein, wenn sie sich eine Folge ansehen. Anderenfalls würden sie etwas von dem vorzüglichen Humor verpassen – einen ironischen Dialog, einen schnellen Seitenhieb oder vielleicht einen subtilen visuellen Witz. All diese Elemente geben der mit einem Emmy® Award ausgezeichneten Sendung das charakteristische komödiantische Profil. Zusätzlichen Reiz erhält die Serie durch die talentierte Besetzung (Tina Fey, Alec Baldwin, Tracy Morgan), intelligente Drehbücher, einen tollen Soundtrack und den anspruchsvollen Produktionsstil sowie nicht zuletzt durch den schnellen, unkonventionellen Schnittrhythmus.

Diese Komponenten sind auch der Kern eines Großteils der Arbeit hinter den Kulissen. Zur Nachbearbeitung setzt das Kreativteam eine komplette Video-, Audio- und vernetzte Speicherlösung von Avid für einen integrierten digitalen Prozess ein. Bild- und Ton-Editoren sowie der Online-Editor und der Mischer haben damit die Möglichkeit, auf unkomplizierte Weise miteinander zu kommunizieren und den gesamten Workflow zu straffen, sodass die Sendung Woche für Woche pünktlich ausgestrahlt werden kann.

Komödiantisches Material

In jeder halbstündigen Folge gibt es drei Handlungsstränge – manchmal ist es schwierig, alles komprimiert auf die verfügbaren 21 Minuten Sendezeit zurechtzufeilen. „Die Show ist vollgepackt mit Inhalten“, stellt Editorin Meg Reticker fest, die für ihre Arbeit bei der Sitcom vor Kurzem mit einem ACE Eddie Award ausgezeichnet wurde. „Das Schreiben ist dabei wirklich das Wichtigste – man muss versuchen, alle Handlungsstränge aufrechtzuerhalten und dennoch in jeder Szene alle lustigen Elemente bestehen zu lassen.“

Bis zu fünf Folgen werden gleichzeitig in verschiedenen Stufen der Schnittphase bearbeitet. Meg Reticker und ihr Kollege Ken Eluto sind daher immer gut beschäftigt; auch ihre Assistenten Elizabeth Merrick und Alex Minnick werden auf Trab gehalten. Jeder im Team verwendet eine Media Composer-Workstation, die an die vernetzte Speicherlösung Avid Unity MediaNetwork mit 3 Terabyte Kapazität angeschlossen ist. Durch das umfassende digitale Equipment kann das Team vielfältige Schnittaufgaben mit Temp-Effekten und Ton ausführen, sei es zum Erstellen eines Rohschnitts für eine erste Vorführung oder zum Erstellen einer Endfassung für die Abnahme durch den Sender.

„Für eine Sitcom haben wir verblüffend viele visuelle Effekte und Greenscreens.“

- Ken Eluto, Editor, 30 Rock

Mit den Medienverwaltungsfunktionen des Avid Unity-Systems spart das Team viel Zeit – das Programmmaterial kann unmittelbar verglichen und neu eingesetzt werden. „Wir bewahren die gesamte aktuelle Staffel im Unity-System auf; außerdem haben wir ein Projekt nur für Musik, Soundeffekte und Bildmaterial aus früheren Staffeln“, erklärt Alex Minnick. „Wir greifen oft auf ältere Sendungen zurück, um allgemeine Aufnahmen oder Temp-Musik zu suchen.“ Meg Reticker sieht älteres Material auch gern noch einmal an, um sich kreativ inspirieren zu lassen: „Ich ziehe immer Staffel eins oder zwei heran, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie mit bestimmten Szenen umgegangen wurde.“

Effektvoller Inhalt

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Mittlerweile läuft die dritte Staffel der Sitcom. Ständig kommen neue kreative Elemente ins Spiel, insbesondere bei den visuellen Effekten. „Für eine Sitcom haben wir verblüffend viele visuelle Effekte und Greenscreens“, stellt Ken Eluto fest. Bei einer Folge, in der Tracy Jordan (gespielt von Tracy Morgan) in der Show Larry King Live zu Gast ist, mussten Fernsehaufnahmen in Monitoren platziert bzw. als Vollbild angezeigt werden. Häufig sind Greenscreens erforderlich, um Hintergrundbilder einzubinden, etwa von der Parade am St. Patrick’s Day oder von Fans in einem Football-Stadion. Ein Beispiel für andere Effekte sind etwa zusätzliche Lichter an einem Weihnachtsbaum.

Die Assistenten erstellen mit den Effekt-Werkzeugen der Media Composer-Software, beispielsweise mit den Funktionen „3D Warp“ und „AniMatte“, Temp-Effekte. Diese werden dann nahtlos an das Avid DS Nitris-System weitergeleitet, das bei Postworks für das Finishing in HD verwendet wird. Ben Murray, der für das Online-Finishing und visuelle Effekte der Sitcom zuständig ist, führt die Tatsache, dass die Produzenten im Laufe der Zeit mehr und mehr Szenen mit zahlreichen Effekten einbauen, unter anderem auf den Einsatz des Avid DS Nitris-Systems zurück:

„Mir ist aufgefallen, dass es bei der zweiten Staffel weniger Vorbehalte gab, Ideen mit umfangreicheren visuellen Effekten auszuprobieren“, schildert er seinen Eindruck. „Die Produzenten haben erkannt, wie DS Nitris für Finishing und Effekte genutzt werden kann. Alle Effekte können mit einem Paket zu einem niedrigeren Preis [pro Stunde] erstellt werden; es ist keine Auslagerung zu einem anderen System mit höheren Kosten erforderlich.“

Da das Projekt durchgehend in einem reinen Avid-Workflow bleibt, spart das Team Zeit, denn das Importieren und Exportieren von Dateien sowie die Handhabung des Farbmanagements sind damit überflüssig. So bleibt mehr Zeit für kreative Effekte. Nach Einschätzung von Ben Murray gibt es in jeder Sendung bei etwa 30 Prozent des Materials Effekte irgendeiner Art: „Wir haben sogar Zeit, uns um witzige Kleinigkeiten im Hintergrund zu kümmern. Wir können beispielsweise ein Newsticker-Laufband, in dem der Autorenstreik erwähnt wird, in einen Fernsehbildschirm einfügen.“

Mithilfe von Avid Advanced Conform im Offline-zu-Online-Workflow sorgt das Nachbearbeitungsteam dafür, dass alle Temp-Effekte – Größenänderungen, Bewegungseffekte, Titel, Farbeffekte und Composites  intakt bleiben. „Beim DS-System kann man so sehr im Detail arbeiten, das können andere Systeme nicht bieten“, erläutert Ben Murray, der für das Finishing unkomprimiertes 10-Bit-HD-SR-Master-Material in 4:2:2 mit 1920 x 1080 verwendet. „Die Abstufung bei Größenänderungen geht bis zum Hundertstel einer Abtastzeile; auch das Rendern in 16 Bit ist möglich.“ Das Avid DS-System dient außerdem zum Ausgeben der Master entsprechend allen SD- und HD-Sendeanforderungen.

Vom Drehbuch zum Rhythmus

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Ben Murray ist für das Finishing des Materials verantwortlich. Das Soundteam verwendet Pro Tools|HD-Systeme – einige davon in Kombination mit ICON-Konsolen – für ADR, Dialogbearbeitung, Soundeffekte, Musikbearbeitung und Mixing. Die problemlose Interoperabilität der Avid-Bearbeitungssysteme mit den Pro Tools-Systemen von Digidesign, das zu Avid gehört, ermöglicht einen schnellen Austausch von Video- und Audiodateien. Das Offline-Team kann über die Option zum Export für Pro Tools Material bereitstellen. Das Soundteam macht dann unmittelbar dort weiter, wo die Offline-Editoren aufgehört haben.

Wie bei den visuellen Effekten ist auch bei den Soundelementen in der Sitcom zunehmende Komplexität festzustellen, meint Tonmischer Tony Pipitone vom New Yorker Unternehmen Sync Sound, in dem die gesamte Audioarbeit für die Sendung ausgeführt wird. Tony Pipitone erinnert sich an eine Folge, bei der das Mixing zehn Stunden dauerte: „Tracy Jordan war bei einem vorgetäuschten Raketenstart dabei. Da die Sitcom-Figur das Geschehen für echt hielt, musste der Ton sehr realistisch wirken. In einem anderen Handlungsstrang gab es eine Szene, in der das Team wegen Liz Lemon [einer Figur aus der Sitcom] einen Lachanfall hat. Wir mussten das Lachen so in den Dialog einflechten, dass das Gesagte noch zu verstehen ist. Das war ziemlich kompliziert.“ Tony Pipitone bewältigt die Anforderungen jeder Folge mithilfe von Pro Tools unterstützt durch eine D-Command-Konsole: „Ich nutze wirklich das gesamte Drum und Dran, das mir zur Verfügung steht“, so sein Kommentar. „Es ist so viel einfacher, wenn man alle ICON-Steuerelemente parat hat.“ Insbesondere Plug-Ins kommen bei Tony Pipitone viel zum Einsatz, beispielsweise die Digidesign-EQs, die direkt mit dem EQ-Bereich der ICON-Konsole verbunden sind. Weitere beliebte Plug-Ins sind TL Space und Digidesign Reverb One für Musik sowie Digidesign Dynamics III und Waves Limiters zum Einhalten der Senderspezifikationen für Mix-Pegel.

Die grundlegenden Aufgaben bleiben für Tony Pipitone bei jeder Folge gleich: „Wir müssen die gesprochenen Wörter hervorheben und deutlich machen. Wir fügen keine Soundeffekte ein, die dann einem Witz in die Quere kommen. Außerdem sorgen wir dafür, dass der Witz nicht durch Musik unverständlich wird.“

Letztendlich geht es in der Sitcom ja um Wörter: „Alles beginnt mit dem Schreiben“, sagt Meg Reticker und fügt hinzu, dass der Drehbuchtext bei jeder Folge weitgehend eingehalten wird, ohne viel Improvisation. „Es ist nicht gut, Dialogzeilen zu zerschneiden. Das Drehbuch ist maßgeblich; danach richtet sich der ganze Rhythmus.“

Diese Formel funktioniert offensichtlich – sowohl auf dem Bildschirm als auch hinter den Kulissen. „Die Arbeit an dieser Sitcom hat von Anfang an viel Spaß gemacht“, lautet das Fazit von Meg Reticker.

„Außerdem“, ergänzt Ken Eluto, „haben wir eine Menge zu lachen“.

CREDITS:
NBC Photos: Nicole Rivelli & Jessica Miglio