Die Bearbeitung der visuellen Effekte in „Ein Quantum Trost“

Mit voller Wucht durchs Glasdach – neue Dimensionen beim Editing visueller Effekte

Manche Actionfilme bleiben besser im Gedächtnis als andere – James Bond-Filme beispielsweise hinterlassen meist einen bleibenden Eindruck. Ein Quantum Trost scheint hier keine Ausnahme zu machen, mit sensationellen Auto- und todesverachtenden Flugzeugverfolgungsjagden, ganz zu schweigen von Menschen, die von Glockentürmen stürzen, durch Glasdächer donnern und von Baugerüsten springen. Und das ist nur der Anfang.

So fantastisch diese Szenen an sich schon waren, der Regisseur Marc Forster wollte, dass sie „absolut real“ erschienen, erklärt Visual Effekt-Editor Derek Burgess. Wir betrieben einen enormen Aufwand von der Entfernung von Drähten über Greenscreen-Composites bis hin zu – per Bewegungserfassung geschaffenen – CG-Figuren.

Diese Detailversessenheit wird in einer atemberaubenden Sequenz besonders deutlich, bei der zwei Personen aus einem Flugzeug fallen. Burgess erklärt, „Diese Sequenz haben wir in einem Bodyflight-Center in einem großen, senkrechten Windkanal [zur Simulierung des freien Falls] aufgenommen. Das machte die Szene wirklich realistisch. Dabei machten uns nicht nur die Tücken dieses Drehorts zu schaffen, auch die Schauspieler hatten mit der Balance zu kämpfen. Sowohl Olga [Kurylenko] als auch Daniel [Craig] hatten vorher lange geprobt. Neun Dalsa-Kameras liefen gleichzeitig, um die Bewegungen der Körper für die CG-Figuren zu Filmen und eine Arri-Kamera machte Nahaufnahmen. Als zusätzliche Referenz liefen zusätzlich noch sieben Sony F900-Kameras.“

Fünf Effektstudios und ein kleines internes Team nahmen die 942 visuellen Effekte für den Film auf, der auf mehreren Kontinenten gedreht wurde. „Wir waren von Anfang an voll im Einsatz“, meint Burgess, der 10 Monate lang an „Ein Quantum Trost“ arbeitete. „Normalerweise gibt es eine Art Einlaufzeit, aber diesmal ging es sofort voll zur Sache.“

 
 MetaFuze hat meine Arbeitsweise wirklich stark verändert.
Derek Burgess, Visual Effekt-Editor, Ein Quantum Trost

MetaFuze rationalisiert die Arbeit mit Effekten

Der Aufwand und die Komplexität bei der Arbeit an den visuellen Effekten waren beeindruckend, doch der Schneidevorgang verlief relativ rationell. Burgess arbeitete mit den Cuttern Matt Chesse und Richard Pearson zusammen, und zwar mit einem Avid Editing- und Speichersystem, das alle Aspekte des Effekt-Editings vom Import der Effektdateien über das Compositing von Greenscreen-Sequenzen und die Einbindung von Echtzeit-3D-Effekten, bis hin zu Tracking und HD-Farbkorrektur abdeckt. Mit diesem an das Speichernetz von Avid Unity MediaNetwork angeschlossenen Media Composer-System konnten Burgess und das Cutterteam alle Medien und Projektdaten sofort gemeinsam nutzen.

Allerdings war das nur ein Teil seiner Aufgaben bei der gemeinsamen Bereitstellung von Daten. Er katalogisierte den gesamten Effektdatei-Verkehr mit den Studios. Bis dato hatte er eine Datenbank zur Katalogisierung aller Metadaten in Verbindung mit den einzelnen Effektaufnahmen erstellt. Jetzt arbeitete er mit dem neuen Avid MetaFuze-Tool, mit dem komplette Einzelbild-DPX-Dateien mit Metadaten in die Avid DNxHD-Medien importiert werden können. Diese Dateien wurden direkt in die Avid-Timeline importiert und nahtlos in das übrige Avid DNxHD 36-Material zum Schneiden des Films integriert. Burgess geht davon aus, dass ihm die MetaFuze-Funktion vermutlich eine oder zwei Stunden an Verwaltungsarbeit pro Tag sparte.

„MetaFuze hat meine Arbeitsweise wirklich verändert“, sagt Burgess, der von allen Effektstudios Dateien im DPX-Format verlangte. „Früher war der Arbeitsablauf sehr umständlich, wir brauchten eine JPEG-Datei von jedem Film, die wir dann in das Avid [System] importierten und synchronisierten. Mit MetaFuze dagegen wurden alle Metadaten [mit Kamerainfo] direkt mit den Bildern importiert. Da die Metadaten eingebettet sind, erstellen wir einfach EDL für das DI-Conforming, ohne dass manuelle Listen mit den Änderungen bei den visuellen Effekten erforderlich wären.“

Auch die Qualität der DPX-Dateien ist höher als bei den QuickTime-Dateien, die er beim Schnitt als Referenz verwendet hatte. „Mit den DPX-Dateien aus 2K-Scans wird es viel einfacher, klare Bilder zu erhalten und Fehler schon frühzeitig aufzuspüren, erklärt er. „Das ist deshalb so wichtig, weil Produzenten, Bildgestalter und Regisseur laufend die aktuellen Ausspielungen ansahen. Für sie war es entscheidend, die Ausspielungen in höchster Qualität zu sehen, damit sie wussten, was dabei herauskam. Somit hatten wir einen reibungslosen Arbeitsablauf ohne böse Überraschungen. Und wir konnten viel Arbeit in relativ kurzer Zeit bewältigen“, so Burgess.

 
 Mit den DPX-Dateien aus 2K-Scans wird es viel einfacher, klare Bilder zu erhalten und Fehler schon frühzeitig aufzuspüren.
Derek Burgess, Visual Effekt-Cutter, Ein Quantum Trost

Burgess setzte zudem die integrierten Farbkorrektur-Tools der Media Composer-Software ein, um die unsortierten DPX-Dateien zu bearbeiten, temporäre Composites zu erstellen, die natürlich in das Filmmaterial übergehen, damit die Effekte nicht hervorstechen. Für ihn ist dies ein weiterer Vorteil gegenüber QuickTime-Dateien, deren starke Farbvariationen häufig störend wirken.

Burgess verwendet auch intensiv andere Funktionen der Media Composer-Software, wie die AniMatte Compositing-Funktion, die aktualisierte Tracking-Software, die alle sehr gut zusammen mit dem klaren, scharfen 3D-Tool und dem Avid DNxHD 36 Time Warp-Bildern funktionieren.

„Das Arbeiten in HD bringt eine fantastische Qualität“, meint er zum Branchentrend. „Es bleibt nichts verborgen. Anders möchte ich nicht mehr arbeiten.

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