Black Box Music und VENUE auf Tour mit Rammstein

Wohl kaum eine deutsche Band hat in den letzten Jahren national und international so für Furore gesorgt wie Rammstein. Das liegt nicht zuletzt auch an ihren Live-Performances, die im wahrsten Sinne des Wortes ein unglaubliches optisches und akustisches Feuerwerk zünden.

Nachdem die Studioaufnahmen von Rammstein bereits seit vielen Jahren von Produzent Jakob Hellner mit Pro Tools entstehen, setzt die Band nun auch bei der Live-Mischung auf Avid-Produkte: Gemischt wird dieses Spektakel von Olsen Involtini auf einem VENUE Profile System. Olsen ist einer der bestgebuchten FoH-Mischer der letzten Jahre und verpasste bereits Peter Fox, den Ärzten oder Juli den richtigen Sound.

Ungewöhnlich auch, dass die Nordamerika-Tour von Rammstein komplett von einem deutschen Verleiher, der  Berliner Blackbox Music ausgestattet wurde.

Wir haben uns mit FoH-Mischer Olsen Involtini und Thilo Goos, Geschäftsführer von Black Box Music, über die aktuelle Rammstein-Tour unterhalten.


Wie kam es zu der Entscheidung, Rammstein auf VENUE zu mischen?
Olsen: Daran bin ich wohl Schuld! (lacht) Ich habe in den letzten Jahren fast nur noch auf VENUE gemischt  und als mich Thilo gefragt hatte, ob ich für Rammstein den FoH-Mix machen kann, kam für mich auch nur eine VENUE-Konsole in Frage. Für mich ist es einfach das beste digitale Livepult und ich fühle mich sehr wohl darauf.

Hast Du vorher auch schon mit anderen digital Pulten gearbeitet?
Olsen: Natürlich. Aber der Workflow ist für mich extrem wichtig und da hat mir VENUE von allen digitalen Pulten mit Abstand am besten gefallen. Durch die VENUE bin ich darüber hinaus auch auf Pro Tools gekommen und habe mittlerweile auch im Studio Pro Tools HD im Einsatz. Bei den meisten anderen Tonkollegen ist es vermutlich genau umgekehrt.

Wie tief arbeitest Du dich in die Bedienung der VENUE ein?
Olsen: Ach eigentlich gar nicht, ein Handbuch habe ich nie gelesen (lacht).  Aber das war auch eigentlich nicht nötig, VENUE ist einfach intuitiv und das ist genau der Punkte warum mir das Pult so gefällt. Bei anderen digitalen Pulten habe ich die Erfahrung gemacht das man sich viel mehr reindenken und einarbeiten muss muss - das lenkt mich aber von meiner eigentlichen Tätigkeit des Mischens ab.

Thilo, Black Box Music hat inzwischen ein großes Arsenal an VENUE-Konsolen...
Thilo : Ja, denn als Dienstleister müssen wir die Nachfragen decken, abhängig von den jeweiligen Live-Crews und deren Präferenzen. Und dabei war VENUE in den letzten Jahren bei vielen einfach sehr weit vorne was zu einem ordentlichen Bestand in unserem Lager geführt hat. Für die letzte Rammstein-Tour war die Aufgabenstellung, zwei identische Sets zu bilden und natürlich kamen dabei auch nur die Pulte zur Auswahl, die eine entsprechend internationale Akzeptanz haben. Das ist ein wesentlicher Punkt für internationale Produktionen, damit wir weltweit an Material herankommen und auch den von den Herstellern bekommen können. Und da kam dann eigentlich sowieso nur noch eine VENUE-Konsole in Frage.

Warum müsst Ihr für Rammstein zwei komplette Setups bereitstellen?
Thilo: In den USA sind wir nur mit einem Set unterwegs aber für die Europa-Tour mussten wir einfach zwei Sets haben, um den Auf- und Abbau an den verschiedenen Locations und den vielen Festivals koordinieren zu können, da Rammstein alle 2-3 Tage an unterschiedlichen Orten spielt.

Wie sieht das VENUE-Setup bei Rammstein konkret aus?
Olsen: Wir benutzen ein VENUE Profile System mit 48 Inputs und 3 DSP-Karten. Das ist die Standard-Konfiguration von Black Box Blackbox und die reicht für Rammstein aus. Außerdem benutzen wir noch 16 Inserts am FoH-Platz.

Als Plug-ins setze ich viel von Waves ein, aber ich benutze auch noch einige spezielle analoge Outboard-Geräte, wie etwa einen Summenkompressor  VSC-2 von Vertigo dessen Sound ich so noch nicht als Plug-in gefunden habe. Früher habe ich ausschließlich analog gearbeitet, aber jetzt ist auch bei mir vieles digital, da die Qualität inzwischen einfach viel besser ist. Ich lege auch nicht mehr allzu viel Wert auf analoges Summieren und Jakob Hellner ( Produzent von Rammstein ) hat mir wärmstens die neue  HEAT-Software für Pro Tools empfohlen, die ich mir möglichst bald installieren möchte.

Hatte die Band selbst Einfluss auf Entscheidungen beim Setup, weil einige ja selber auch mit Pro Tools arbeiten?
Olsen: Richard Kruspe (Gitarrist von Rammstein) hat sich gefreut, als die Entscheidung fiel, dass wir VENUE benutzen werden, weil er mit Pro Tools im Studio arbeitet. Er beschäftigt sich immer sehr eingehend mit den ganzen Tools und ist sehr experimentierfreudig.

Thilo: Rammstein vertraut den Leuten, die am FoH- und am Monitor-Pult  stehen und ihren Entscheidungen, daher gab es da keine Einmischung und keine Probleme.

Wir haben auch gefragt, ob wir Mitschnitte der Konzerte machen wollen, da es mit der Pro Tools Integration ja sehr einfach gewesen wäre. Sie hatten alelrdings keine Lust, sich hinterher die ganzen Aufnahmen durchzuhören, daher haben wir dann davon Abstand genommen (lacht).

Ganz anders als bei der Sade-Tour etwa, die wir parallel zu Rammstein mit einer D-Show und einen kompletten Pro Tools Recording System ausgestattet haben. Dort wird jede Show aufgenommen.

Rammstein und Sade World Tour - das ist ja schon ein wenig außergewöhnlich für eine deutsche Firma oder?
Thilo: Ja, Black Box Music hat sich sehr gut entwickelt. Wir haben zwei sehr große und schöne Probenhallen bei Black Box Music und und auch unser Equipment-Pool ist inzwischen so groß, dass wir die zwei doch recht üppigen Touren stemmen können. So haben wir etwa über 100  L-Acoustics K1 Boxen in unserem Pool, wodurch wir natürlich flexibler reagieren können als kleinere Firmen. Ich denke auch, dass wir einfach ein sehr gutes Grundkonzept bieten und zusammen mit einen wirklich guten Pool an Mitarbeitern und  Freelancern kann man so etwas dann schaffen.

Und auch bei den VENUE-Pulten sind wir üppig bestückt: Wir haben 2 D-Show-  und 3 Profile-Systeme sowie 4 SC48. Olsen hatte zwischenzeitlich mal eben 3 Profile-Systeme geblockt (lacht): 1x Rammstein in den USA, dann die Lena Meyer-Landrut Tour (die deutsche Gewinnerin des Eurovision Songcontestes ) und die deutsche Band Juli. Somit ist Olsen eigentlich immer von einem System zum nächsten gesprungen.

Inzwischen ist auch in Deutschland der Trend zu erkennen, dass Bands ihre eigenen Pulte auf Touren mitnehmen. Als Verleiher musst Du also eng mit eigenen Bands zusammenarbeiten. Der Renner bei uns ist daher grade das SC48, da es auch für kleinere Budgets ideal ist.

Olsen: Bei Juli haben wir kleinere Clubtouren gespielt wo wir dann  fast jeden Tag auf eine andere PA gestossen sind. Gerade da ist  wieder aufgefallen, welch eine Segen die VENUE-Pulte waren, weil man bei so einer Situation nicht immer die perfekt getunete oder optimierte Anlage vor sich hat, wir jedoch mit der VENUE und den Tools wie Plug-Ins und grafischen EQs das beste herausholen konnten. Hier half das All-In-One-Konzept von VENUE enorm und sparte uns viel viel Zeit.

Wie passt das L-Acoustics K1 System zur VENUE-Konsole?
Olsen: Man muss sich etwas drauf einarbeiten aber dann ist es ein Top-System. Gerade für eine Band wie Rammstein passt es sehr gut. Man hört jeden Fehler auf einem K1 System, was ja gut ist für meine Arbeit. Allerdings muss man sich bei einem VENUE-Pult nicht wirklich Gedanken über die PA machen – VENUE klingt immer super.

Olsen, was ist Dein Lieblings-Feature bei VENUE?
Olsen: Eigentlich, dass ich es mir aufbauen kann wie ein analoges Pult (lacht). Ich arbeite auch meist mit Gruppen und nicht mit VCAs, da ich viel Summenkompression mache. Und das liegt bei VENUE einfach alles sehr übersichtlich in der Mitte der Konsole. Der Workflow und der Klang sind für mich das allerwichtigste bei VENUE. Plug-Ins wie die von Waves sind natürlich auch toll aber auch die Kompressoren und EQs in den Kanälen klingen super und druckvoll.

Auf was musst Du beim Mix von Rammstein besonders achten?
Olsen: Es ist extrem wichtig, dass die Energie der Musik von Rammstein möglichst gnadenlos auf das Publikum hereinbricht, ohne dabei die Transparenz  zu verlieren.

Die Schwierigkeit besteht darin, zwischen den gewaltigen Gitarrenriffs und Tills Stimme stets die richtige Balance zu finden. Bei einer Rammsteinshow muss ein Finger daher immer am Vocalfader kleben.

Was ist die größte Herausforderung beim Mixen von Till Lindemanns Stimme?
Olsen: Trotz des Crosstalks auf seinem Vocalmic, bedingt durch eine laute Bühne, einen passablen Vocalsound zu kreieren.

Inwieweit stört die ganze Pyrotechnik beim Mix und wie bekommst Du das in den Griff?
Olsen: Die Pyroeffekte sind Teil der Musik und stören daher nicht.
Meistens  (nicht immer) werden sie groovy abgefeuert und ergänzen die Power.

Die Zuschauer erwarten ja genauso ein Gitarrenbrett wie auf den Platten. Wie bekommt Ihr diese Gitarrenwände hin?
Olsen: Beide Gitarristen haben viel Erfahrung was einen  "guten" druckvollen Gitarrensound angeht. Über die Jahre sind sie zu dem Ergebnis gekommen, das Paul ein Linesignal anbietet, welches etwas schneller ist und mehr Attack hat, und Richard zwei Großmembran-Mikrofone (Röhre/Kondensator), die das Volumen und den Charakter beisteuern. Für mich bleibt die Aufgabe, die manchmal etwas zu wuchtigen Sounds zu entzerren und an den Raum anzupassen.

Hattet Ihr schon mal technische Probleme?
Olsen: Es gab bisher nie was, was die Show gefährdet hätte. Ein paar mechanische Kleinigkeiten wie kaputte Fader gibt es mal, aber dafür hat Black Box ja Ersatzteile. Mir ist aber noch nie ein VENUE-Pult bei irgendeiner Show abgestürzt.

Thilo: Der Support ist auch für uns als Verleiher extrem wichtig und da hatten wir mit Digidesign und Avid immer sehr schnell Leute vor Ort, wenn wirklich mal etwas schief lief. Und das natürlich auch außerhalb der normalen Geschäftszeiten (lacht).

Interview: Arndt Hufenbach, Text: Ingo Gebhardt