Spiderman 3 – von der Arbeit einiger Superhelden im Schneideraum

Ein schwarzer Tag für Spiderman. Peter Parker hat sich erneut verwandelt und musste dieses Mal seine dunkle Seite kennenlernen. In Spiderman 3 wird Parkers Alterego Spiderman von einer mysteriösen Substanz durchdrungen. Sein rotes Kostüm färbt sich plötzlich schwarz und die dunkle Seite droht Besitz von ihm zu ergreifen. Diese unheimliche Transformation enthüllt Spidermans zerstörerischste Charakterzüge und zwingt ihn, gegen seine eigenen, inneren Dämonen zu kämpfen. Gleichzeitig muss er gegen eine Horde von Schurken ankämpfen: New Golblin (James Franco), ein vertrauter Gegenspieler, sowie zwei neue Bösewichte, Venom (Topher Grace) und Sandman (Thomas Haden Church). Sie kämpfen mit ihren ureigensten Waffen gegen Spiderman.

First Assistant Editor Sean Valla hat bei allen drei Spiderman-Filmen mitgearbeitet und ist davon überzeugt, dass der letzte Teil der Reihe auch der bislang Komplexeste ist: Es war viel aufwendiger, diese Fortsetzung herzustellen. Spiderman 3 beinhaltet 937 finale Visual Effects Aufnahmen und eine Vielzahl von langen Actionszenen, die von einer U-Bahnszene bis zu einem von mehreren Charakteren geführten Luftkampf alles zu bieten hat. Der Film bietet einfach viel mehr Kino, sagt er über den 140 Minuten langen Film mit einem geschätzten Budget von mehr als $250 Millionen.

Die Komplexität des Filmes basiert vor allem auf den neu integrierten Charakteren, die sowohl die Handlungsstruktur als auch die Handlungsgeschwindigkeit bestimmen, und so ein verstricktes Netz aus Beziehungen entstehen lassen. Avid Assistant Joseph Virzi: Wir haben mit sehr vielen Hauptcharakteren zu tun: Spiderman nicht nur mit einem roten sondern auch mit einem schwarzem Kostüm und zudem all seine Gegenspieler. Es gibt so viele verschiedene Handlungsaspekte und Handlungsweisen dieser Charaktere. Wir haben es mit einem unglaublich facettenreichen Film zu tun. Manchmal denke ich zurück und wundere mich, wie wir das alles überhaupt geschafft haben.

Editor Bob Murawski arbeitete mit neun Macintosh-basierten Avid Media Composer Adrenaline Systemen und einem großen Team von Visual Effects Editoren und Assistenten, um mit dem Editingprozess Schritt halten zu können. Fünf Systeme setzte das Editingteam im Sony Arbeitsraum ein. Ein weiteres System wurde bei Sony für Filmvorführungen und tägliche Visual Effects Previews installiert. Mit diesem zuverlässigen und kostengünstigen Vorführprozess konnten im Schnitt befindliche Ausschnitte direkt kontrolliert werden und Filmszenen nach den kreativen Vorstellungen des Filmteams während des kompletten Editingvorgangs permanent verfeinert werden. Ein weiterer Avid Media Composer Adrenaline wurde erst später in das Projekt eingebunden, um die Outputs für zum Beispiel elektronische Pressemappen als auch für andere Abteilungen zu verarbeiten. 

Weitere zwei Avid Media Composer Adrenaline Systeme setzte Sony Pictures Imageworks für Visual Effects ein. Das Visual Effects Team befand sich jedoch gute drei Kilometer entfernt von dem Sony Hauptsystem und wurde daher über Fibre Channel mit den anderen Systemen verbunden. Um gemeinsam auf alle Daten zugreifen zu können, war das gesamte Team mit einer Avid Unity MediaNetwork Shared-Storage Lösung mit einer Kapazität von 5 TB verbunden. So konnten problemlos Mediendateien und in Bearbeitung befindliche Sequenzen gemeinsam genutzt werden. Tommy Pham von der Abteilung Digital Picture Editorial bei Sony war für die Entwicklung und Überwachung des Avid Setups verantwortlich und stellte sicher, dass allen Editingmitarbeitern die schnellsten und raffiniertesten Tools für die Erschaffung dieses actiongeladenen Films zur Verfügung standen.

We had all three shows online ... Our editor liked to have the option of looking at shots [from earlier films in the series] and going back and using some plates or some shots that were never used before.
- Sean Valla, First Assistant Editor, Spider-Man 3

Creating the Intricate Design

Murawski und Valla begannen bereits während der Vorproduktion im August 2005 mit den ersten Editing-Arbeiten. Sie arbeiteten am Schnitt von animierten 2D Storyboards, um so komplexe, effekt-basierte Szenen schon vor Beginn der eigentlichen Aufnahmen auszuarbeiten: Wir schnitten Animatics und arbeiten verstärkt am Sound und der Farbgebung der Storyboards. So konnten wir Regisseur Sam Raimi bei der Umsetzung seiner Vorstellung vom Skript einfacher unterstützten, erklärt Valla. Valla arbeitet vorzugsweise mit dem Paint Tool als Farbkodierungstechnik. So gibt er Schwarz-Weiß-Charakteren des Storyboards Farbe, um zu deren schnellen und einfachen Identifizierung beizutragen.

Avid Assistant Virzi stieß im Oktober 2005 zum Team - ungefähr zu der Zeit als die Aufnahmen begannen. Wir bekamen eine Unmenge an Pre-Vis Material, das wir auf dem Avid System animieren wollten, sagt er. Ab diesem Moment gab es keine Pause mehr.

Ungefähr 305.000 Meter Film wurde während des ausgedehnten Produktionszeitraumes verbraucht, der mit den letzten Aufnahmen im Februar 2007 endete. Während der gesamten Aufnahmen wurden die Dailies online mithilfe einer Avid Unity MediaNetwork Lösung gespeichert, die auch bei den beiden vorangegangenen Spiderman Episoden zum Einsatz gekommen war. Die 5 TB gemeinsam nutzbarer Speicher ermöglichten den problemlosen Zugriff auf Material aus allen drei Filmen. Dadurch erhielten die Editoren die Möglichkeit, schnell auf alte Dailies und Effektaufnahmen zurückzugreifen, um diese nach Notwendigkeit zur Erstellung neuer Szenen in den neuen Film zu integrieren.

Uns standen alle drei Spiderman Episoden online zur Verfügung, erklärt Valla. Unser Editor wollte sich Aufnahmen aus früheren Episoden jederzeit ansehen, immer wieder zurück gehen können und gegebenenfalls frühere Szenen oder Aufnahmen verwenden, die nie zuvor zum Einsatz gekommen waren. Spiderman 3 zeigt viele Rückblenden, bei denen mit älterem Material gearbeitet wurde.

Der Einsatz eines Avid Adrenaline Systems beschleunigte unsere Arbeit erheblich.
- Joseph Virzi, Avid Assistant, Spider-Man 3

Schneller, besser, Adrenaline

Nachdem man bei den ersten beiden Filmen mit älteren, Hardware-basierten Meridien Avid Systemen gearbeitet hatte, veranlasste Spiderman 3 das Editing Team zur Umstellung auf Media Composer Adrenaline Systeme. Der Vorteil bei der Arbeit mit Adrenaline besteht darin, dass man auf weit mehr Real-Time Effekte zurückgreifen kann. Außerdem kann man mit mehr Video-Layern in Real-Time arbeiten, erzählt Valla. Das machte sich natürlich bei einer Timeline bezahlt, die mit bis zu jeweils zehn Video- und Audiolayern angefüllt war. Der Einsatz eines Adrenaline Systems beschleunigte unsere Arbeit erheblich, fügt Virzi hinzu.

Die Fähigkeit, Quick Time Dateien in Echtzeit zu erstellen, war mitunter die größte Zeitersparnis, so Valla: Wir arbeiten mit so vielen QuickTimes, die wir für Animationskünstler erstellen. Und das lässt sich mit einem Avid Adrenaline Sytem erheblich schneller bewerkstelligen. Man kann einen 20-minütigen Abschnitt hiermit in Echtzeit erschaffen - oder sogar noch schneller. Mit der Meridien Hardware dauerte dieser Vorgang zwischen zwei und drei Stunden. Bei der Bearbeitung von 50, 60 oder gar 70 Shots am Tag ist Adrenaline für uns ein riesiger Schritt nach vorne.

Die Visual Effects Previews wurden fast täglich direkt über den Media Composer Adrenaline dem Regisseur, dem Produzenten und den anderen Mitgliedern des Kreativteams gezeigt. So konnten bereits während der Entwicklungsphase die komplexen, am Computer entstandenen Szenen visualisiert und angepasst werden, falls nötig. Dieser Prozess half dem Team, vor allem den Zeitplan einzuhalten und gleichzeitig die bestmöglichen künstlerischen Resultate sicherzustellen. So konnten die Dateien schnell und ohne Probleme direkt von einem Media Composer Adrenaline System an einen 2K Projektor zur Full-Screen-Darstellung ausgegeben werden. Der direkte SD Output aus dem System war äußerst hilfreich. Wir benötigten jedes Mal nur ungefähr 15 Minuten, um alles vorzubereiten, meint Valla.

Der finale Countdown

Ein mobiles Editingsystem half, die Präzision und die visuelle Klarheit der finalen Sequenzen sicherzustellen. Valla verwendete Avid Xpress Pro Software auf einem Macintosh Laptop für den zwischengelagerten Arbeitsabschnitt bei Technicolor in Culver City. Ich führte die Einzelaufnahmen zusammen, übertrug sie auf das Laptop und konnte so während des digitalen Verarbeitungsprozesses feststellen, wo sich die Überblendungen und Rücksetzungen befanden. Es war ein durchaus positiver Vorgang. Ich konnte als Referenz feststellen, welche Aufnahmen innerhalb der Timeline fertig gestellt worden waren, meint er.

Als man sich dem Veröffentlichungsdatum des 4. Mai näherte, arbeitete das Team unermüdlich, um die rechtzeitige Auslieferung gewährleisten zu können. Joe, ich und auch all die anderen Mitglieder des Teams arbeiteten gegen Ende des Projektes sieben oder acht Wochen ohne auch nur einen freien Tag, erzählt Valla. Auch dem Equipment wurden während der gesamten Editingphase nur wenige Unterbrechungen gegönnt. Unsere Avid Systeme liefen von 6 Uhr morgens bis 2 Uhr am nächsten Morgen, sagt Valla. Wir schalteten sie praktisch nie ab, ergänzt Virzi. 

Bei Spiderman 3 profitert der Kino-Zuschauer von der starken Leistung der Filmemacher. Es wurde eine unterhaltsame Fortsetzung geschaffen, die den vorangegangenen Episoden mehr als ebenbürtig ist. Nach einer nahezu dreijährigen Arbeitsdauer von den ersten kreativen Ideen bis zur Auslieferung stellt dieser Film eine ungeheuere Errungenschaft dar. Wir haben es nicht wirklich fertig gestellt, es endete einfach, sagt Virzi über das anspruchsvolle Projekt.

Denn … die Arbeit eines Superhelden ist niemals wirklich beendet.

Lesen Sie auch mehr zu Sound Design und Mizing bein Spider-Man 3.. [pdf, 15 MB]

© 2007 Columbia Pictures Industries, Inc. MARVEL, sowie sämtliche Marvel Charaktere inklusive Spiderman, Sandman und Venom Charaktere TM & 2007 Marvel Characters, Inc. Sämtliche Rechte vorbehalten.