Star Trek: Ein neuer Blick von der Brücke

Produzent und Regisseur J.J. Abrams bringt das Star Trek-Thema mit einer neuen Version des Science-Fiction Klassikers „zurück in die Zukunft“. Zusätzlich zu den von Star Trek-Fans erwarteten Elementen, wie der Beamerecke, der Brücke mit ihrer charakteristischen Optik und den futuristischen Kampfszenen, wartet dieser Film mit voll entwickelten Figuren auf, die das Publikum mit einer emotionalen Geschichte in ihren Bann schlagen.

Die Cutterinnen Maryann Brandon und Mary Jo Markey folgten Abrams’ Idee und schufen einen Film, der gleichzeitig dem Original verpflichtet ist und eine kreative Sicht des Materials bietet, die dem Publikum die jungen Crew-Mitglieder der USS Enterprise, Capitain Kirk, Spock und Scotty und ihre prägenden Erlebnisse näher bringt. „Wir wollten Figuren mit einem Handlungsbogen schaffen, den man in jedem guten Film findet“, erklärt Markey. „Actionfilme sind nur dann [wirklich effizient], wenn sich die Handlung durch die Interaktion von Figuren entwickelt, an denen man wirklich interessiert ist.“

Die Cutterinnen konzentrierten sich darauf, die Figuren für das Publikum attraktiv zu machen. „Zuerst dachten wir, Kirk sei für die Leute zu aggressiv [um beliebt zu sein]“, erklärt Brandon „Wir wollten ihn so zeigen, dass die Menschen ihn verstanden und ihm vergaben. Im Film sieht man, dass ihm das Schicksal mitgespielt hat; sein Vater wurde getötet, und darüber war er nie hinweggekommen. Indem er als Jugendlicher die Akademie besuchte, konnte er seine verrückte, aggressive Energie in Arbeit kanalisieren.“

 
 Actionfilme sind nur dann [wirklich effizient], wenn sich die Handlung durch die Interaktion von Figuren entwickelt, an denen man wirklich interessiert ist.
Mary Jo Markey, Cutterin, Star Trek

Um die Dramatik der Geschichte zu steigern, mussten Brandon und Markey, die beide schon mit Abrams an Alias und Mission Impossible III gearbeitet hatten, häufig Szenen vereinfachen. Sie verdichteten beispielsweise einige der aufwendigeren Zeitreise-Sequenzen. „Die Geschichte mit [dem Schurken] Nero, der [25 Jahre lang] im Gefängnis saß, war unnötig kompliziert. Die Sequenz zeigte ursprünglich Nero im Gefängnis, als er darauf wartete, dass Spock aus einem schwarzen Loch auftauchte. Aber wir mussten nicht all die Jahre zeigen“, sagt Markey. „J.J. kam eines Tages mit einem Schema, wie man alle diese Szenen herausnehmen konnte, und das funktionierte sehr gut. Das ist ein tolles Beispiel dafür, dass das Schneiden in Wirklichkeit die abschließende Drehbuchbearbeitung ist.“

Science Fiction-Teamwork

Die beiden Cutterinnen entwickelten eine praktische Methode der Zusammenarbeit, indem sie den Film in zwei teilten, so dass jede der beiden eine Reihe action- und figurenbestimmter Sequenzen bearbeitete. Unterstützt wurden sie durch die beiden ersten Schnittassistenten Julian Smirke und Lucy Wojciechowski und den Schnittassistenten Kerry Blackman. Visual Effekt-Cutter Martin Kloner und Visual Effekt-Assistentin Elana Lessem bearbeiteten über 1000 Visual Effekt-Aufnahmen in diesem Film.

Jedes Mitglied des Schneideteams verwendete sein eigenes, vom Verleihunternehmen Digital Vortechs in Santa Monica bereitgestelltes Media Composer-System. Alle sieben Systeme waren an ein Avid Unity MediaNetwork-System mit 16 Terabyte gemeinsamem Speicher angeschlossen, über das sie Medien und Projekte simultan bearbeiten konnten.

Fotokem in Burbank verarbeitete die 35 mm-Dailies und lieferte den Cuttern Avid DNxHD 36-Medien auf Festplatten zum Schneiden in HD. „Das war ein wirklich einfaches Verfahren“, meint Wojciechowski. „Dadurch, dass Fotokem die Digitalisierung übernahm, fiel für uns ein Arbeitsschritt weg. Das sparte uns eine Menge Zeit, mindestens eine Stunde [für jede Stunde Dailies].“ Die Qualität der DNxHD 36-Ausgabe war sogar so gut, dass wir die gesamten Probevorführungen unter Kino-Bedingungen durchführen konnten.

In Anbetracht des enormen Arbeitsaufwands für visuelle Effekte gab es auch viel Arbeit mit dem Greenscreen. Kloner benutzte das Avid Media Composer-System ausschließlich zur Erstellung von temporären visuellen Effekten. „Beim Erstellen von Composites verwendete ich sehr viel 3D-Warp, AniMatte und SpectraMatte und mischte einige andere von Zeit zu Zeit dazu“, erklärt er. Kloner, der mit vier verschiedenen Effekt-Studios arbeitete, verwendete auch farbcodierte Spuren, um die temporären, einstweiligen und endgültigen Aufnahmen zu kennzeichnen, so dass das gesamte Schneideteam auf den ersten Blick den Status jeder Effektaufnahme erkennen konnte.

Dazu gab es zahlreiche temporäre Soundeffekte, mit denen die Ausspielungen ergänzt wurden. „J.J. hat die Soundeffekte am liebsten so früh wie möglich dabei“, sagt Wojciechowski. „Wir sorgten permanent dafür, dass alles synchron blieb. Mit dem Avid [System] kann man unheimlich viele Dateien in einen Ordner stellen – bis zu 5000 – sodass wir mit den Soundeffekten keine Probleme hatten.“

Die Tonarbeit wurde von Soundelux in Hollywood übernommen, mit 15 Pro Tools|HD-Systemen für den gesamten Sound-Design- und Editing-Prozess. Pro Tools|HD-Systeme wurden auch für die Aufnahme und das Mixen der Partitur und die Wiedergabe während des Dubbings mit fünf 64-Kanal-Wiedergabesystemen verwendet. Die gute Kompatibilität der Avid Editing-Systeme mit den Pro Tools-Systemen von Digidesign (Teil von Avid) ermöglichten einen schnellen und reibungslosen Austausch von digitalen Dateien während des gesamten Postproduktionsprozesses.

 
 Das war ein tolles Team, und alles klappte wie am Schnürchen. Das Avid [Media Composer-System] ist ein unglaublich zuverlässiges Werkzeug.
Maryann Brandon, Cutterin, Star Trek

Eine ganz neue Welt in Sicht

Die konzentrierte Arbeit und die unkomplizierten Beziehungen zwischen Schneide- und Soundteam sorgten für einen optimalen Workflow bei der Postproduktion. „Das war ein tolles Team, und alles klappte wie am Schnürchen“, sagt Brandon. „Das Avid [Media Composer-System] ist ein unglaublich zuverlässiges Werkzeug.“

Dank der flexiblen Editing-Tools konnte sich das Schneideteam voll auf die kreative Aufgabe konzentrieren und mit dem ideenreichen Abrams zusammenarbeiten, der dem Film seine Signatur aufdrückte. „J.J. kommt gerne in den Schneideraum. Er interessiert sich immer für unsere Interpretation des Materials. Es gefällt ihm, wie aus dem Ausgangmaterial etwas Neues und sogar Überraschendes wird“, erzählt Brandon.

Das Ergebnis war ein Star Treck mit Spaß, Spannung und Emotionen. „Bei einer so etablierten Marke etwas Neues zu erfinden, ist eine Herausforderung“, sagt Smirke. „Man muss genau den Mittelweg zwischen dem Respekt für das Vorhandene und dem Mut zur Neuerung finden. J.J. hat die beiden Dinge wunderbar unter einen Hut gebracht.“