The Dark Knight

2005 verlieh der Regisseur Christopher Nolan (Memento, Insomnia) dem Batman-Thema mit „Batman Begins“ einen neuen, interessanten, auch realistischeren Aspekt. Sein neuester Batman-Film, „The Dark Knight“, schlägt einen ähnlich düsteren und introspektiven Ton an. Neben Christian Bale als undurchdringlicher Batman gibt Heath Ledger einen furchtlos unheimlichen Joker, die die Rolle neu definiert und auch Gerüchte über einen posthumen Oscar auslöste.
„Es ist eine dichte, komplexe Story. Wir werden das vielleicht noch weiter vertiefen und es könnte noch düsterer werden als ‘Batman Begins’“, meint Cutter Lee Smith, A.C.E. „Es wird eine unterhaltsame, aber auch intensive Erfahrung.“
Smith hat schon öfter mit Nolan gearbeitet (Batman Begins, The Prestige) und mag die unkomplizierte Beziehung, die sich zwischen ihm und dem Regisseur entwickelt hat, und die Smith ausreichend Spielraum verleiht, das Material nach seinem Ermessen zu interpretieren. „Es ist schön, öfter mit demselben Regisseur zu arbeiten. Da entwickelt sich ein ‚Draht’, der den Prozess reibungsloser gestaltet, erklärt er.
Und das ist gut so, denn dieser Film ist sehr komplex. Das Postproduktionsteam stellte nämlich nicht nur einen konventionellen Film her, sondern schuf gleichzeitig auch einen IMAX-Film mit vier actiongeladenen Sequenzen auf 65 mm IMAX-Film. „Die Qualität der Original-IMAX-Aufnahmen ist umwerfend“, erklärt Smith. „Sie verleiht dem gesamten Film in diesen Sequenzen noch mehr Niveau.“
Es ist eine dichte, komplexe Story. Wir werden das vielleicht noch weiter vertiefen und es könnte noch düsterer werden als Batman Begins.
Die beiden Versionen des Films sind Aufnahme für Aufnahme identisch, nur wurden die IMAX-Sequenzen in der konventionellen 35 mm-Ausgabe diesem Format angepasst. Die beiden unterschiedlichen Seitenverhältnisse im IMAX-Film stellten ursprünglich ein Problem dar. So testeten Smith und seine Leute einen Editing Workflow, der für beide Formate (1,44:1 und 2,35:1) passte. Sie wählten einen Setup für das Digitale Editing von Avid, mit dem sie beide Filme mit nur einer Avid-Timeline bearbeiten konnten. Die kreativen Schnitte wurden bei einer 14:1-Auflösung durchgeführt, wobei acht Avid Media Composer-Systeme zum Einsatz kamen, die an ein Unity MediaNetwork-Speichersystem von AVID mit 2,88 Terabyte Speicherplatz angeschlossen waren.
Unter Verwendung einer Reihe von Spuren mit Ausgangsmaterial und visuellen Effekten setzte das Cutter-Team zunächst 16 Videospuren für verschiedene Elemente ein, aber diese Prozedur wurde bald zu schwerfällig. Also entwickelte der erste Schnittassistent John Lee ein Schema zur Konsolidierung und Farbcodierung auf der Avid-Timeline. Dabei wurde die V4-Spur für die Probevorführungen des Materials in IMAX-Format und die V8-Spur für Cinemascope verwendet. „Als wir einfach zwischen den beiden Ansichtsspuren wechseln konnten, verlief der gesamte Prozess wunderbar reibungslos“, meint Smith.
Austauschbare Editing-Systeme
Zahlreiche Reisen sorgten bei den 15-monatigen Schnittarbeiten für zusätzliche Komplexität. Das Cutter-Team begann in Los Angeles mit der Arbeit, fuhr dann nach London und Chicago, danach wieder zurück nach London und Los Angeles. „Es gab bei einem Standortwechsel keine Leerlaufzeiten“, so Lee. „Wir flogen am Donnerstag los und saßen am Freitag wieder an der Arbeit.“

Man verwendete an jedem Standort dasselbe Avid Unity MediaNetwork-System, schickte es einen oder zwei Tage vor dem Wechsel voraus und arbeitete in der Zwischenzeit mit den Medien-Backups auf den FireWire-Laufwerken. Austauschbare Avid Media Composer-Systeme wurden von Digital Vortechs (in den USA) und Salon (in GB) in den verschiedenen Editing-Suites eingerichtet und konnten schnell an das Avid Unity-Netzwerk angeschlossen werden.
Die gute Kompatibilität der verschiedenen Avid-Systeme ermöglichte es dem Regisseur, extern zu arbeiten und trotzdem den kreativen Prozess am Laufen zu halten. In London schnitten die Cutter unter der Woche den Film in Editing-Suites außerhalb der Stadt und arbeiteten an den Wochenenden zu Hause mit dem Regisseur. „Chris wohnte in der Londoner Innenstadt. So nahmen wir am Wochenende Material, das auf Avid [Xpress Pro-System] geschnitten worden war auf einem FireWire-Laufwerk mit, kamen mit den Änderungen zurück und übertrugen sie direkt in die [Avid] Unity“, erklärt Lee.
Das Cutter-Team verwendete zudem einen Avid Xpress Pro-Setup beim Sound-Mix bei Warner Bros in Los Angeles als Referenz für Änderungen in letzter Minute. „Der Film war [zu dem Zeitpunkt] fast fertig, aber wir arbeiteten noch an einigen Sequenzen mit visuellen Effekten, und so hatten wir einen raschen Zugriff auf diese“, erklärt Lee.
Die Qualität der Original IMAX-Aufnahmen ist atemberaubend. Sie verleiht dem gesamten Film in diesen Sequenzen noch mehr Intensität.
Die Leistung des Avid-Systems war entscheidend für die Verarbeitung der ca. 1.500 Aufnahmen mit visuellen Effekten, von denen etwa 500 Übernahmen des IMAX-Materials in den 35-mm-Film waren.
Da die IMAX-Negative ein großes quadratisches Bild liefern, musste Smith für den konventionellen Film Ausschnitte dieser Aufnahmen anfertigen.
„Wir mussten damit wie mit visuellen Effekten umgehen“, sagt Smith. „Wir verwendeten die PIP [Funktion] wie einen Kameramann im Avid [System], um [die IMAX-Aufnahmen] in den Kinofilm einzubauen. Mein Cutter für visuelle Effekte, Tom Barrett, fertigte eine [PIP] Vorlage an, mit der es einfach war, in eine Aufnahme zu greifen, einen Ausschnitt zu erstellen und an die Abteilung für visuelle Effekte zu senden.“

Der Regisseur wollte auch, dass Batman Begins als Referenz online verfügbar war, sodass der Film ebenfalls in das Avid Unity-System geladen wurde. „Das war wirklich praktisch“, so Lee. „Wir hatten in Chicago und London Aufnahmen für ‚Batman Begins’ gemacht und konnten so einige der Luftaufnahmen oder Farbflächen für Autoverfolgungen verwenden. Das war wirklich hilfreich als Vorlagenmaterial, als wir diese Szenen noch nicht gedreht hatten. Wir verwendeten auch einige der Soundeffekte und viel Musik als Vorlage für Sequenzen. Eigentlich dachte ich, wir nehmen das Material nach einer Weile heraus, aber wir warfen doch immer wieder einen Blick hinein. Wir hatten also zwei Filme auf einer [Avid] Einheit.“
Smith verwendet nun seit Jahren Avid-Systeme und betrachtet sie als zuverlässiges Werkzeug mit dem sich selbst mehrere Filme – und Filmversionen – gleichzeitig bearbeiten lassen. „Wir müssen für eine bombensichere Technologie sorgen. Diese Filme sind derart komplex, dass das Equipment einfach schnurren muss“, behauptet Smith.
So kann sich das Filmteam auf seine Aufgabe konzentrieren, den optimalen Film zu drehen. Der Batman, den sie in „The Dark Knight“ schufen, ist jedenfalls bereit zum Abheben.
Images © 2008 Warner Bros. Entertainment Inc
