Austin City Limits

Das Team hinter der legendären Konzert-TV-Show wechselt an einen neuen Standort und stellt komplett auf Avid um, mit dem Ziel, seine Mixing-Workflows zu vereinheitlichen


Seit über 40 Jahren steht Austin City Limits (ACL) für facettenreiche Live-Musik im öffentlichen US-Fernsehen. Die Pilot-Sendung der Show ging im Jahr 1974 über die Bühne, die ursprünglich der texanischen Musikszene gewidmet war. Damals schon dabei war der erfahrene Tontechniker David Hough, der seither den Ton für fast jede der Konzertaufzeichnungen für den PBS-Sender KLRU in Austin mischt. Inzwischen treten neben regionalen auch nationale und internationale Künstler verschiedenster Musikrichtungen in der Sendung auf.

Hough bezeichnet sich selbst als Kind des analogen Zeitalters, und hat im Laufe seiner langen Arbeit bei Austin City Limits vor allem mit Konsolen von Neve und Tonbandgeräten von Studer gearbeitet. Doch mit der Jahrhundertwende veränderte sich auch die Technik hinter der Show und 2001 machte die Neve-Konsole schließlich Platz für die erste System 5-BP-Konsole, die damals noch eigens von Euphonix angefertigt wurde (BP steht für Broadcast und Postproduktion). 10 Jahre später arbeitet das Team jetzt mit einer zweiten System 5-BP-Konsole, und Hough ist begeistert:

"Die S5-BP ist eine ideale Kombination aus festgelegten und frei zuweisbaren Reglern. Genau das brauche ich", erklärt Hough. "Ich bin hartgesottener Anhänger analoger Technik und mit der System 5 kann ich alles, was ich brauche, schnell und einfach finden. Bei einem Live-Konzert, wo jeder Handgriff sitzen muss, ist das eine absolute Notwendigkeit."

Ein neuer Standort für Austin City – und ein Avid-Upgrade

Diese Investition folgte 2011, als beschlossen wurde, die Produktion der Show aus Studio 6A an der University of Texas an einen funktionaleren, besser geeigneten Veranstaltungsort zu verlegen – das Moody Theater in Austin – und ein größeres Publikum unterzubringen. (Obwohl die Konzerthalle 2.700 Zuschauern Platz bietet, wird die Sendung nur vor 800 Zuschauern aufgezeichnet, um eine intimere Atmosphäre zu erzeugen.)

"Heute wird der ursprüngliche Aufnahmeraum vor allem dafür genutzt, die Aufzeichnungen der Konzerte aus dem Moody Theater nachträglich zu bearbeiten und zu mischen", erklärt Hough. "Das klappt nur bei hundertprozentiger Kompatibilität der beiden Konsolen."

Im Moody Theater und im ursprünglichen Studio befinden sich identische System 5-BP-Konsolen mit 32 Fadern und EUCON Hybrid für die Bearbeitung mit Pro Tools. Jede der zwei Konsolen verfügt über 72 Mikrofon-/Line-Eingänge, die von den Stageboxen oder den Pro Tools|HD-Wiedergabequellen über Mehrkanal-MADI-Verbindungen an die Haupt-DSP-Engine geroutet werden, die wiederum problemlos bis zu 160 Signalpfade verarbeiten kann.

Das Team setzt bei seiner technischen Ausstattung inzwischen komplett auf Avid und hat sich für Pro Tools|HD-Aufnahmesoftware für bis zu 64 Instrumentenspuren entschieden (obwohl es seine Mastermaschinen bereits 1995 durch Pro Tools ersetzt hatte, kam die Software damit erst jetzt auch bei der Aufnahme der Show zum Einsatz).

Bessere Integration von Audio und Video für schnellere und einfachere Workflows

Houghs Arbeitsabläufe sind des Weiteren eng mit jenen des Videoteams der Show verbunden. Mit dem Beginn jeder Konzert-Aufzeichnung werden alle HD-SDI-Kamera-Feeds per DNxHD 145-Codec in Broadcast-Qualität an den Avid AirSpeed Multi Stream-Server gesendet und anschließend direkt im Avid ISIS 5000-Zentralspeicher archiviert. Währenddessen sendet Hough den 64-Kanal-Audio-Stream per MADI-Verbindung von seiner Konsole an den Pro Tools|HD-Recorder – zusammen mit einem ersten 2-Kanal-Mix, der den AirSpeed Multi Stream-Aufzeichnungen der Kamera-Feeds auf dem ISIS-Speichergerät zugewiesen wird.

Nach der Sendung ist damit alles auf ISIS festgehalten und das Team muss nur noch auf "Speichern" klicken und kann nach Hause gehen. Am nächsten Morgen haben sowohl das Video- als auch das Audio-Team vollständig synchronisiertes Bild- und Tonmaterial und können direkt mit dem Editing und Mixing loslegen. Selbst drei Meilen entfernt kann Hough vom ursprünglichen Aufnahmeraum aus über modernste Glasfaserkabel auf sämtliche Audiodateien zugreifen und hat zudem die Möglichkeit, per Ethernet-Verbindung mit Video Satellite und Media Composer auch das Videomaterial komplett synchronisiert wiederzugeben.

"Meine gesamte Arbeit in der Postproduktion funktioniert mit Avid", sagt Hough. "Ich kann meiner Kreativität freien Lauf lassen, das Beste aus dem Ton herausholen und meine Deadlines trotzdem problemlos einhalten. Für mich ist das wie Zauberei."

Die AAF-Funktion zur automatischen Anpassung von Audiomaterial sei dabei nur ein Beispiel dafür, wie sehr sich Houghs Workflows verbessert haben. "Unsere Video-Cutter schneiden die Sendung in Media Composer und können meine Pro Tools-Spuren mit den Konzert-Aufnahmen dank der Funktion zum Erweitern der Spuren schnell und einfach [an ihre Videoschnitte] anpassen", erklärt Hough weiter. "Und da beide Locations über Glasfaserkabel für eine Hochgeschwindigkeits-Übertragung von Audio- und Videomaterial miteinander und jeweils mit dem Avid ISIS-Server verbunden sind, kann ich die Sendung im Moody Theater aufzeichnen und mit Hilfe der neuen Auto Conform-Funktion von Avid schon kurz darauf in unserem alten Studio mischen. Ich muss nichts weiter tun, als die angepasste Pro Tools-Session zu öffnen und die Musik ist schon komplett da und perfekt mit den bearbeiteten Videosequenzen synchronisiert.

Auch die eMix 5-Software der System 5-BP-Konsole bietet viele äußerst nützliche Funktionen. "Mit der neuen Aux Page-Funktion kann ich im Handumdrehen einen Mix mit den Aux-Spuren erstellen und den Musikern als Bühnen-Monitor-Mix für Overdubs schicken", so Hough. "So eine Situation gab es erst vor Kurzem in einer Session mit den Jungs von der Band "Explosions in the Sky", die wir gefragt haben, ob sie den neuen Titelsong für die Show schreiben möchten. Ich habe dann mit Aux Page einen Monitor-Mix für die Band erstellt und die Musiker konnten Gitarren- und Bass-Overdubs einspielen. Der Mix war schnell erstellt und die Funktion hat absolut einwandfrei funktioniert."

Mischen am Sweet Spot

Beim Mischen der Live-Konzerte für die anschließende Übertragung auf PBS und anderen Sendern rund um den Globus nutzt Hough die vielfältigen Mehrkanal-Audiofunktionen der S5-BP-Konsole, um sowohl 5.1- als auch Stereo-Mixes zu erstellen. "Ich komme bequem vom Sweet Spot an alles heran, habe die Main Group-Fader direkt vor mir und kann mir sämtliche Kanäle auf die Kanalzüge des Mischpults legen. Keine der Funktionen, die ich brauche, ist weiter als einen Knopfdruck von einem meiner Drehregler, Schalter oder Fader entfernt."

Und Hough fügt hinzu: "Obwohl inzwischen auch die S5-BP komplett EUCON-fähig ist, verwende ich normalerweise die System 5-DSP-Engine für die Live-Tracking- und -Remix-Sessions. Jetzt, wo ich nach und nach mehr Pro Tools-Plug-Ins während dieser Sessions verwende, freue ich mich aber schon darauf, die Pro Tools-Kanäle direkt von der S5-Konsole aus zu steuern und mit den zuweisbaren Bedienelementen direkt auf die EQ-, Dynamik- und Reverb-Plug-Ins zugreifen zu können, die ich in Pro Tools verwenden möchte. System 5-BP ist eine wahnsinnig leistungsstarke Konsole mit vielen Optionen und daher ideal für eine Live-Show wie Austin City Limits."

* Arcade Fire-Foto von Scott Newton, mit freundlicher Genehmigung von KLRU-TV.