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Baltasar Kormákurs Film „Everest“ zeigt die katastrophalen Ereignisse des Bergdramas von 1996, als zwei vom Pech verfolgte Expeditionen versucht hatten, den Gipfel des höchsten Berges der Welt zu erklimmen. Die Bergsteiger mussten fast unmögliche Hürden überwinden, um zu überleben, und gerieten in der Todeszone des Mount Everest in einer Höhe von mehr als 7600 Metern in einen der wohl schlimmsten Schneestürme seit Menschengedenken.


Der Film war mit hochkarätigen Stars besetzt, darunter Emily Watson, Keira Knightley, Josh Brolin und John Hawkes. Jason Clarke (Zero Dark Thirty) spielt im Film die Rolle des berüchtigten Expeditionsleiters Rob Hall, während der Oscar-nominierte Jake Gyllenhaal (Nightcrawler, Jarhead – Willkommen im Dreck, Brokeback Mountain) seinen Rivalen, den Bergsteiger und Expeditionsleiter Scott Fischer spielt. Das ewige Streben, den höchsten Berg der Welt zu bezwingen, wurde hier zu einem erbitterten Kampf ums Überleben in einer der unbarmherzigsten Umgebungen unseres Planeten – und endete schließlich in der höchsten Anzahl an Todesopfern, die jemals in der Geschichte des Mount Everest in nur einer Saison verzeichnet wurde.


Der mit dem BAFTA-Preis ausgezeichnete Editor Mick Audsley (Twelve Monkeys, Mona Lisas Lächeln, Harry Potter und der Feuerkelch) hatte einen eigenen Berg an Herausforderungen zu meistern: Er musste gleichzeitig die Geschichten der vom Unglück verfolgten Bergsteiger erzählen, mit enormen Mengen an Bildmaterial fertig werden und für eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur und dem Bearbeitungsteam sorgen. Der Oscar-prämierte Sound Designer und Supervising Sound Editor Glenn Freemantle (Gravity, 127 Hours, Slumdog Millionaire, V wie Vendetta) stand an der Spitze eines hochkarätigen Teams, das vor der Aufgabe stand, die Sounds und die intensive Atmosphäre des gnadenlosen Bergs für das Filmpublikum erlebbar zu machen.

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Um für diese Herausforderungen gewappnet zu sein, setzten Audsley und Freemantle Avid Everywhere ein, das auf den Avid Artist Suite- und Storage Suite-Lösungen basiert, die von der Avid MediaCentral Platform zur Verfügung gestellt werden.

Ein Editor vor neuen Herausforderungen

Mick Audsleys Entscheidung für den Schnitt von Everest die branchenweit renommierteste Editing-Lösung Avid Media Composer zu verwenden, stand außer Frage. Denn Audsley, der sich selbst als echten Avid-Veteran bezeichnet, arbeitet bereits seit 12 Jahren mit Media Composer. Damals war er für den Schnitt von „Mona Lisas Lächeln“ verantwortlich. „Avid ist aus gutem Grund der Branchenstandard: Es ist die beste Lösung! Media Composer macht alles, was ich brauche – und noch mehr. Ich kann mir Material ansehen, verschiedene Teile miteinander verknüpfen und mir ausgehend vom Rohmaterial sehr schnell eine Szene zusammenstellen – es gibt mir jede Menge Freiheit“, erklärt Mick Audsley.


Mit „Everest“, seinem ersten gemeinsamen Filmprojekt mit Regisseur Baltasar Kormákur, war Mick Audsley fast ein Jahr beschäftigt. Das Team verbrachte dreieinhalb Monate in Island, der Heimat des Regisseurs, um den Director's Cut fertigzustellen. „Viele Leute kannten das Wesentliche dieser Geschichten ja schon aus Büchern von den Überlebenden der Katastrophe. Aber wir müssen das Publikum fesseln und dazu braucht es Geschick und ein besonderes Erzähltempo. Es ist immer ein Gleichgewicht zwischen der Schaffung von starken Einzelgeschichten und dem Respekt vor dem, was wir über die Wahrheit wissen“, erklärt Mick Audsley.


Die Aufnahmen für „Everest“ erfolgten über einen Zeitraum von 18 Wochen an den Ausläufern des Berges in Nepal und an verschiedenen Drehorten in den italienischen Alpen. Berühmte Filmstudios waren für einige der eindrucksvollsten Locations auf dem Berg verantwortlich: das Everest-Basiscamp wurde in den Cinecitta Studios in Rom nachgebaut und in den Pinewood Studios in Großbritannien kam massenhaft Salz zum Einsatz, um den trostlosen Gipfel und die höchsten Bergkämme des Everest nachzustellen.

„Avid ist aus gutem Grund der Branchenstandard: Es ist die beste Lösung! Media Composer macht alles, was ich brauche – und noch mehr. Ich kann mir Material ansehen, verschiedene Teile miteinander verknüpfen und mir ausgehend vom Rohmaterial sehr schnell eine Szene zusammenstellen – es gibt mir jede Menge Freiheit.“

Mick Audsley, Editor


Mick Audsley musste sich in weiten Teilen des Schnittprozesses ganz auf seine Fantasie und sein Bauchgefühl verlassen – sowohl was Sound als auch die Bilder anging. Denn eine Menge des Filmmaterials wurde vor grünem Hintergrund gedreht. Das Material musste mehrfach umgeschnitten werden, bevor das Team erstmals die fertigen Hintergründe zu sehen bekam. „Über lange Zeit während der Produktion sah das Material überhaupt nicht wie in der fertigen Version aus“, erinnert er sich. „Mit den zusätzlichen visuellen Ebenen von Media Composer waren wenigstens temporäre Videoeffekte möglich. Sie gaben uns eine Vorstellung vom jeweiligen Hintergrund und erleichterten uns das Erzählen der Geschichte.“

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In der Schnittphase während der laufenden Aufnahmen in Italien und Pinewood gingen bei Mick Audsleys Team jeden Tag durchschnittlich fünf oder sechs Stunden an neuem Bildmaterial ein. Ein typisches Arbeitsteam bestand dabei aus dem Editor und seinen beiden Assistenten, die das neue Material sichteten, protokollierten und in die Bins übertrugen, die dann von insgesamt drei Media Composer-Systemen genutzt wurden. Für die Zusammenarbeit der Bearbeitungsteams in Echtzeit bedeutete der Avid ISIS-Zentralspeicher eine wirkliche Erleichterung. „Die Arbeit mit dem ISIS-Zentralspeicher war wunderbar. Beim Everest-Schnitt sind wir zunächst zu den Basics zurückgekehrt und wieder bis zu den Grundlagen des Filmschnitts vorgedrungen und die umfangreichen Collaboration-Features von Avid haben es uns dann ermöglicht, jederzeit schnell und effizient auf das jeweils benötigte Material zuzugreifen“, ergänzt Mick Audsley.

Den Gipfel der Filmkunst erreichen

Da die Story des Films auf den tragischen Ereignissen der Bergkatastrophe von 1996 basierte, wurde lange darüber diskutiert, was dem Publikum zuzumuten sei. „Wenn man etwas schneidet, das auf der Wahrheit beruht, dann muss man sich diese Tatsache jeden Tag erneut vor Augen führen. Weicht man von den Fakten ab, muss einem klar sein, warum man das tut und ob das für den Film wirklich die beste Lösung ist. Mitunter müssen die Linien der Wahrheit auch verwischt werden, da die buchstäbliche Tatsache für einen Film nicht immer geeignet ist. Es geht darum, die verschiedenen Erzählungen möglichst wirkungsvoll miteinander zu kombinieren“, erläutert Mick Audsley.

Nach langen Debatten und In-House-Screenings mit einigen Freunden und Kollegen, fand im Januar 2015 in Sherman Oaks in der Nähe von Los Angeles eine Preview-Vorführung ohne die endgültigen Videoeffekte statt. „Hier bekamen wir erstmals ein Gespür dafür, wie sich die verwobenen Überlebensgeschichten der Bergsteiger über Leben und Tod für ein Publikum zu einem Ganzen zusammenfügten. Das gesamte Team und auch Baltasar erlebten erst jetzt, wie der Film auf die Zuschauer wirkt. Der Kontrast zwischen Beschreibung und Erzählung ist für einen Film wie ‚Everest‘ entscheidend, um der Wahrheit der Geschichten sowohl der Opfer als auch der Überlebenden gerecht zu werden. Wir hoffen natürlich, dass wir diese Vision im endgültigen Filmschnitt umsetzen konnten“, fügt er hinzu.

Den Sounds des Berges nachempfinden

Sound Designer und Supervising Sound Editor Glenn Freemantle und sein Team standen vor großen Herausforderungen, als sie den Sound des Everest erlebbar machen wollten. Unter Verwendung von Avid Pro Tools, dem Branchenstandard in Sachen Audioproduktion, in Kombination mit einer Avid Pro Tools | S6-Bedienoberfläche schufen Sie den perfekten Workflow, um eindrückliche Sound-Erlebnisse zu schaffen.

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„Wie Mick bereits sagte: Wir mussten diese Story so nahe am Leben wie möglich gestalten. Aber eine Soundscape für einen 2-Stunden-Film mit natürlichen Elementen zu kreieren, ist wirklich eine große Herausforderung. Uns ging es darum, alles möglichst einfach zu halten. Wir folgten unserem Designkonzept und mussten bei seiner Umsetzung einige grundlegende Entscheidungen treffen – immer daran denkend, nicht zu viele Bestandteile in den Mix einfließen zu lassen“, erinnert sich Glenn Freemantle.

Um ein Gefühl für die echten Klänge und die Atmosphäre auf dem Mount Everest zu bekommen, installierte das Team Mikrofonsysteme im Basiscamp in fast 5500 Metern Höhe, um die Soundeffekte aufzunehmen, die sich aus den unvorhersehbaren Wetterbedingungen dort oben ergeben. „Mit unserem für 127 Stunden konzipierten Sounddesign gingen wir bis ans Limit und nahmen täglich 24 Stunden auf, um ein echtes Gespür für die Nuancen des Ortes zu erhalten. So erhielten wir einen realen Bezugspunkt, der die Basis unserer Arbeit bildete“, ergänzt Glenn Freemantle. Leider wurde die geplante Aufnahmephase abgebrochen, als der Berg im April 2015 nach einer verheerenden Lawine geschlossen wurde, die von einem Erdbeben in Nepal ausgelöst wurde und 19 Bergsteigern das Leben kostete.

Glenn Freemantle denkt an die schwerwiegenden Entscheidungen zurück, die während der Storytelling-Phase zu treffen waren und sich auf den Sound des Films auswirkten. „Wir haben den gesamten Soundtrack umgestaltet und ungefähr 98 % aller Dialoge noch einmal neu aufgenommen. Die Schauspieler in den ADR-Studios mussten bei diesen Neuaufnahmen bis an ihre Grenzen gehen. Mit Gewichtsgurten um ihre Oberkörper, nach vielen Liegestützen mit Gewichten und sogar bei Aufnahmen auf dem Boden liegend gelang es ihnen, die körperliche Erschöpfung der Bergsteiger glaubhaft zu vermitteln. Das war schon etwas Besonderes“, erinnert er sich.

Dem Soundteam standen auch die echten Funkaufnahmen der Ereignisse auf dem Everest vom 10. Mai 1996 zur Verfügung, die das eindrucksvolle Sounddesign des Films noch um eine weitere emotionale Facette bereicherten. „Es war wirklich belastend und sehr emotional, sich diese Funksprüche anzuhören. Wir haben versucht, die originalen Funkaufnahmen im Film so echt wie möglich einfließen zu lassen, doch am Ende hatten wir das Gefühl, dass diese dem Publikum die Charaktere und deren persönliche Geschichten nicht richtig vermitteln“, erklärt Glenn Freemantle. „Im endgültigen Mix entschieden wir uns für eine viel klareren Ansatz, der auch dem Regiestil von Baltasar Kormákur besser gerecht wurde.“

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Sound Design Editor Niv Adiri erinnert sich, wie entscheidend es war, dem Publikum das Wesen der Handlung zu vermitteln. „Bei Close-ups kam es darauf an, dass die Zuschauer wirklich den Schmerz der Menschen in diesem schrecklichen Martyrium spüren konnten, und es kostete uns zahllose Stunden, bis wir die verschiedenen Stufen des versprühten Schnees perfekt beherrschten. Um uns ein Portfolio an Effekten aufzubauen, das den Film so echt wie möglich klingen lässt, haben wir Jacken eingefroren und echten Schnee und große Eisblöcke hereingeschaufelt, damit wir diese oftmals vernachlässigten Geräusche täuschend echt nachahmen konnten.“

Und Niv Adiri ergänzt: „Es gibt einen Filmteil von 20 Minuten Länge ohne jegliche Musik – als der mächtige und donnernde Sturm loslegt und einen einfach umhaut. Wir mussten die richtigen Intensitätsstufen über den gesamten Sturm hinweg aufbauen und angesichts der vielen Toten mussten wir in dieser trostlosen und verzweifelten Situation immer ganz nahe bei den Darstellern bleiben.“

„Die Synchronisierung war früher immer sehr restriktiv – wir sind da immer sehr geradlinig und in einer vorgegebenen Reihenfolge vorgegangen und auch die Erwartungen waren immer eingeschränkt. Mit Pro Tools sind diese Einschränkungen weggefallen. Es ermöglicht volle kreative Freiheit und Zusammenarbeit über die gesamte Branche hinweg.“

Ian Tapp, Sound Re-Recording Mixer

Sound Re-Recording Mixer Ian Tapp ergänzt: „Die Synchronisierung war früher immer sehr restriktiv – wir sind da immer sehr geradlinig und in einer vorgegebenen Reihenfolge vorgegangen und auch die Erwartungen waren immer eingeschränkt. Mit Pro Tools sind diese Einschränkungen weggefallen. Es ermöglicht volle kreative Freiheit und Zusammenarbeit über die gesamte Branche hinweg.“

Neue Möglichkeiten beim Storytelling

„Was das Editing angeht, so war der Film wirklich eine Teamleistung“, fasst Mick Audsley zusammen. „Media Composer ermöglichte uns eine Zusammenarbeit in einem Ausmaß, das ich mir so nicht vorstellen konnte. Es war mir eine Ehre, an diesem Film mitgewirkt und mit Baltasar gearbeitet zu haben, und hoffentlich haben wir alles getan, was in unserer Macht steht, um der Wahrheit dieser spannenden und sehr realen Geschichten gerecht zu werden.“

„Media Composer ermöglichte uns eine Zusammenarbeit in einem Ausmaß, das ich mir so nicht vorstellen konnte.“

Mick Audsley, Editor


„Wir sind bei ‚Everest‘ anders vorgegangen als bei anderen Projekten“, ergänzt Glenn Freemantle. „Wir verwendeten komplexe Sounds, um dem Publikum genau das Gefühl zu vermitteln, das die armen Bergsteiger hatten, so als wären sie mit ihnen zusammen auf dem Berg. Wir versuchten, im ganzen Film eine hohe Dynamik zu erzeugen, um die echten menschlichen Gefühle in dieser schrecklichen Katastrophe zu porträtieren und um zu gewährleisten, dass mit den richtigen Sounds die richtigen Wahrnehmungen und Empfindungen hervorgerufen werden. Der Film ‚Everest‘ soll bei jedem Zuschauer ein Gefühl des Unbehagens und der Einschüchterung bewirken. Die gewaltige Soundscape sorgt wirklich dafür, dass die Zuschauer den Film auch spüren. Es ist für das Publikum ein anstrengender Film: Man sieht echte Menschen leiden und sterben, in einer absolut menschenfeindlichen Umgebung, die mächtiger ist, als es sich irgendjemand von uns vorstellen kann.“



FI