Der preisgekrönte Toningenieur Jonathan Wales hat in den vergangenen Jahrzehnten unzählige Filme, Fernsehsendungen und Dokumentationen akustisch zum Leben erweckt, darunter Get Out, Memento, Gaga: Five Foot Two und Spuk in Hill House. Er hat während seiner gesamten Karriere als Toningenieur mit auf Pro Tools DSP basierenden Systemen gearbeitet – angefangen von Pro Tools III NuBus, das Mitte der 90er Jahre aktuell war, bis hin zum heutigen Pro Tools | HDX.
Als jedoch in den vergangenen Jahren die Anzahl der Spuren und Stimmen in den Sessions drastisch stieg – insbesondere seit der Einführung von Dolby Atmos® – stellte er fest, dass DSP als Basis für HDX-Systeme beim Mischen zunehmend zu einem Problem wurde. Er musste beim Mischen plötzlich deutlich strategischer vorgehen, um sicherzustellen, dass der DSP ausreicht.
Dies ging auch anderen so. Viele seiner Kollegen bei der Avid Customer Association (ACA), die für die Musik- und Audio-Postproduktion zuständig sind, kämpften mit den gleichen Problemen. Auf einer der vierteljährlichen ACA-Sessions brachte er dies daher zusammen mit der Audio-Community zur Sprache.

Wales, der normalerweise als Toningenieur bei den Warner Bros. Studios tätig ist, arbeitete während der Pandemie in seinem Heimstudio.
Eine einfache Frage führt zu einer bahnbrechenden Innovation
„Wir hatten Avid vor ein paar Jahren darauf hingewiesen, dass wir den Audio-Mixer für HDX vom DSP wegbekommen müssen“, erklärt er. „Dies lag vor allem daran, dass damals bei HDX alle Mischpultkanäle - alle Busse, alle Sends und alles, was mit der Struktur der Session zu tun hat, über den DSP laufen mussten. In meinen früheren Sessions hat das Mischpult den DSP so stark beansprucht, dass kaum noch Platz für die Plugin-Verarbeitung blieb. Er war nur damit beschäftigt, Busse zwischen Punkt A und Punkt B zu erstellen. Bei Atmos sind die Busse oft 10 Kanäle breit. Bei dieser Art von Formaten ist es deutlich schwieriger, die Mischpultmodelle auf dem DSP unterzubringen.“
Avid arbeitete damals gerade an einer neuen Pro Tools-Innovation, mit der Benutzer bei Bedarf zwischen dem nativen und dem DSP-Modus umschalten konnten. Der Audio-Mixer konnte dadurch mit HDX letztendlich nativ ohne DSP laufen. Wales und die Audio-Community waren begeistert.
So entstand die neu patentierte Hybrid Engine für Pro Tools | HDX. Die Technologie bietet das Beste von beidem – native Leistung für große Mischprojekte und DSP für extrem latenzarme Aufnahmen – und dies alles per Mausklick. Wales nutzt die Engine, seitdem sie auf dem Markt ist. „Wir haben das Potenzial der Engine sofort erkannt“, erklärt er. „Man könnte sagen, sie ist ein Mega-Upgrade von Pro Tools! Sie ist deutlich schneller und erheblich besser skalierbar.“
Vorteile der Hybrid Engine
Wales erklärt die zusätzlichen Vorteile für HDX folgendermaßen: „Wenn man bei normalem HDX den DSP-Mixer verwendet und für eine Spur oder einen Aux-Eingang ein natives Plugin hinzufügt, werden dabei jedes Mal zusätzliche Stimmen belegt. Wenn man also für einen 5.1-Aux-Eingang ein natives 5.1-Plugin verwendet, hat man plötzlich sechs Stimmen verbraucht, nur um das Plugin einzubinden. Angesichts der vielen Pfade in einer Session werden dadurch hochgerechnet eine riesige Menge an Stimmen verbraucht.
„Wenn ich für eine Session mit 700 Stimmen in HDX 3 die Hybrid Engine verwende, brauche ich plötzlich nur noch 380 Stimmen und habe dadurch noch enorm viel Spielraum innerhalb der Session.“ Die Sessions von Wales sind mittlerweile deutlich gewachsen und es funktioniert noch immer.
Die Performance ist außerordentlich. Man profitiert von der Leistung und Flexibilität der nativen Verarbeitung und genießt gleichzeitig alle Vorteile von HDX.
Die HDX Engine eliminiert außerdem das Roundtripping von Plugins, wodurch sich das System-Delay deutlich verringert. „Mit jedem Roundtrip erhöht sich auch die Latenz, da der Puffer jedes Mal größer wird“, erklärt er. „Ich konnte also nicht nur eine Session mit 700 Stimmen auf 380 Stimmen reduzieren, sondern auch das System-Delay von 8.600 Samples auf etwa 4.000 verringern. Das System-Delay spielt eine wichtige Rolle. Davon hängt ab, wie lange es dauert, bis man es hört, wenn man einen Fader bewegen und eine Lautstärke aufdreht. 4.000 Samples entsprechen etwa zwei Frames, was fast nicht wahrnehmbar ist. Dadurch klingt das Ganze deutlich zusammenhängender.“
Wales findet auch, dass es bei einfachen Aufgaben wie dem Öffnen einer Session oder dem Ändern des Routings – insbesondere bei vollen Sessions – nicht mehr zu Verzögerungen kommt, weil das System die DSP-Zuweisung optimieren muss. „Die Performance ist außerordentlich“, betont er. „Man profitiert von der Leistung und Flexibilität der nativen Verarbeitung und genießt gleichzeitig alle Vorteile von HDX – jede Menge Ein- und Ausgänge, Synchronisierung der Framegrenzen und eine hohe DSP-Performance auf Abruf.“

Zu Beginn seiner Karriere als Musikproduzent wurde Wales Mitte der 90er Jahre eingeladen, an einem Filmprojekt mitzuarbeiten. Er fand es so spannend, dass er seither nichts anderes mehr gemacht hat.
Was HDX-Benutzer wissen sollten
Wales ist insgesamt begeistert, wie Avid den von ihm und der Audio-Community erbrachten Vorschlag in eine innovative Lösung umgesetzt hat. „Ich konnte es lange Zeit gar nicht fassen, plötzlich so ein geniales Tool zu haben“, beschreibt er die ersten Monate mit der neuen Engine. „Es ist überhaupt nicht mehr wegdenkbar. Wir könnten ohne es gar nicht mehr arbeiten. Ich würde es um keinen Preis der Welt tauschen wollen.“
HDX wurde komplett überarbeitet. Dass es trotzdem weiter mit der vorhandenen Hardware genutzt werden kann, ist in der Tat verblüffend.
Der größte Gewinn für ihn ist jedoch nicht nur die enorme Leistungssteigerung, sondern dass er damit seine bisherige Hardware weiter verwenden kann.
„HDX wurde komplett überarbeitet“, erklärt er. „Dass es trotzdem weiter mit der vorhandenen Hardware genutzt werden kann, ist in der Tat verblüffend. Dass die Hybrid Engine kostenlos und lediglich durch ein Software-Update in Pro Tools | Ultimate eingebunden werden kann, ist die wohl größte Performance-Steigerung seit der Veröffentlichung von Pro Tools. DSP kann derzeit optional genutzt werden. Wir schalten den Prozessor nur dann zu, wenn es Sinn macht. Dadurch stehen uns sozusagen unbegrenzte Möglichkeiten offen.“

In seinem Heimstudio verwendet Wales annähernd die gleiche Ausrüstung wie bei Warner Bros., einschließlich einer Dolby Atmos-Mischanlage.